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Alt-Text

Der Alt-Text beschreibt Bilder für Google, Screenreader und KI-Suche. Optimale Länge, Keyword-Einsatz, Sonderfälle und BFSG-Pflicht seit Juni 2025.

Der Alt-Text ist eine im HTML-Bildcontainer hinterlegte Bildbeschreibung, die drei Zielgruppen adressiert: Screenreader für blinde und sehbehinderte Nutzer, Google für die Bildersuche und seit 2026 zunehmend KI-Suchsysteme wie ChatGPT, Claude und Perplexity. Seit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz vom 28. Juni 2025 ist die Alt-Text-Pflege in Deutschland zusätzlich rechtlich verbindlich. Empirische GEO-Forschung belegt Sichtbarkeitssteigerungen von bis zu 40 % in generativen Antworten durch präzise Bildbeschriftung und Content-Strukturierung.

Was ist ein Alt-Text?

Ein Alt-Text ist der textuelle Ersatzinhalt eines Bildes, gesetzt über das alt-Attribut innerhalb des img-Tags. Er wird angezeigt, wenn das Bild nicht geladen werden kann, von Screenreadern vorgelesen und von Suchmaschinen für die thematische Einordnung des Bildes herangezogen.

Die technische Grundform:

<img src="seo-strategie-whiteboard.jpg" alt="SEO-Strategie auf einem Whiteboard mit Topical Map und Keyword-Clustern">

Screenreader wie JAWS, NVDA und VoiceOver lesen den Alt-Text vor, sobald der Fokus auf das Bild wechselt. Google kombiniert die Alt-Beschreibung mit dem Dateinamen, strukturierten Daten und dem umgebenden Fließtext zu einem Gesamtbild der Bildbedeutung. KI-Suchsysteme crawlen den Alt-Text ebenfalls und nutzen ihn für Antwortgenerierung und Quellenauswahl.

Die Begriffe Alt-Text, Alt-Tag und Alt-Attribut werden umgangssprachlich synonym verwendet, sind aber nicht identisch. Das alt-Attribut ist der technische Slot im HTML-Code, der Alt-Text der darin eingetragene Wert. Der Begriff “Alt-Tag” ist technisch unsauber, weil kein eigenständiges HTML-Tag dieses Namens existiert. Ergänzend erzeugt das title-Attribut einen Maus-Tooltip, ersetzt den Alt-Text aber nicht und spielt für SEO und Barrierefreiheit nur eine untergeordnete Rolle.

Wie beeinflusst der Alt-Text das Google- und KI-Ranking?

Der Alt-Text wirkt auf drei Ranking-Ebenen: als Hauptsignal für die Google Bildersuche, als Relevanzverstärker für das Seitenranking und als Ankertext bei verlinkten Grafiken. In der KI-Suche erhöht eine vollständige Alt-Beschriftung die Zitierrate von Inhalten in generativen Antwortsystemen signifikant.

Die drei klassischen Wirkungsebenen für Google:

  • Primärsignal für die Google Bildersuche: Trotz Computer-Vision-Fähigkeiten stützt sich Google für Bild-Rankings weiterhin stark auf textuelle Signale. Ein Bild ohne Alt-Beschreibung wird zwar gecrawlt, verfehlt aber regelmäßig die Top-Positionen der Bildersuche.
  • Thematisches Relevanzsignal für die Gesamtseite: Alt-Beschreibungen, die thematisch zum Artikel passen, verstärken die Content-Kohärenz. Ein Ratgeberartikel zur Content-Strategie mit Alt-Texten wie “Content-Kalender mit monatlicher Themenplanung” signalisiert durchgängige thematische Tiefe.
  • Ankertext bei verlinkten Bildern: Ist ein Bild in einem Link verpackt, behandelt Google den Alt-Text wie einen Anchor-Text. Ein verlinktes Logo mit der Beschreibung “sagemedia, branchenexklusive SEO-Agentur” überträgt das Ranking-Signal direkt auf die Zielseite.

Seit 2026 kommt eine vierte Ebene dazu: die KI-Suche. ChatGPT, Claude und Perplexity crawlen Webseiten einschließlich aller Alt-Attribute. Das GEO-bench-Benchmark von Aggarwal et al. (KDD 2024) belegt, dass beschreibende, statistikreiche Inhalte in generativen Antworten bis zu 40 % häufiger zitiert werden als keyword-optimierte Standardtexte. Wer für KI-gestützte Suchsysteme und Antwortmodelle optimiert, kommt an systematischer Alt-Text-Pflege nicht vorbei.

Wie lang sollte ein Alt-Text sein?

Alt-Texte sollten typischerweise 80 bis 125 Zeichen umfassen, die WCAG-Richtlinie selbst schreibt keinen harten Maximalwert vor. Der oft zitierte “125-Zeichen-Limit” ist ein Mythos: Screenreader wie JAWS kürzen nicht, sondern teilen längere Alt-Texte in mehrere Abschnitte auf.

Praktische Richtwerte für verschiedene Bildtypen:

  • Produkt- und Standardbilder: 80 bis 125 Zeichen reichen aus, um Bildinhalt und Kontext präzise zu beschreiben. Für SEO ist der Sweet Spot 10 bis 15 Wörter mit einem natürlich eingebundenen Zielbegriff.
  • Komplexe Grafiken und Diagramme: Eine Kurzbeschreibung im Alt-Attribut (z. B. “Balkendiagramm: Organisches Traffic-Wachstum 2023 bis 2025, 648 % Steigerung”) kombiniert mit einer Langbeschreibung im umgebenden Fließtext. Bis zu 250 Zeichen sind hier vertretbar.
  • Dekorative Bilder: Leeres Alt-Attribut (alt=""), damit Screenreader das Bild korrekt überspringen. Gilt für reine Zierbilder, Hintergrund-Ornamente und visuelle Trenner.
  • Funktionale Icons: 1 bis 3 Wörter reichen. Ein Lupen-Symbol bekommt alt="Suche", ein Warenkorb alt="Warenkorb".

Alt-Texte unter 80 Zeichen sind oft zu unspezifisch (“Bild”, “Foto”), reine Dateinamen als Alt-Text sind für Screenreader und Google nutzlos. Das Weglassen des Attributs führt dazu, dass Screenreader stattdessen den Dateinamen vorlesen, etwa “IMG_20240315_142857.jpg”, was die Nutzererfahrung massiv stört.

Wie schreibt man gute Alt-Texte?

Ein guter Alt-Text beschreibt präzise, was auf dem Bild zu sehen ist, integriert das Zielkeyword natürlich und verzichtet auf Floskeln wie “Bild von” oder “Foto von”. Screenreader kündigen bereits automatisch an, dass es sich um ein Bild handelt.

Gegenüberstellung guter und schlechter Beschreibungen nach Bildtyp:

BildtypSchlechtGut
Produktfotoalt=“Produkt”alt=“Rotes Gravelbike mit Shimano GRX Schaltgruppe und Carbon-Gabel”
Team-Fotoalt=“Team”alt=“sagemedia Team bei der monatlichen SEO-Strategiesitzung in Bad Staffelstein”
Infografikalt=“Infografik”alt=“Infografik: 7 Schritte der Onpage-Optimierung von Keyword-Recherche bis Content-Audit”
Screenshotalt=“Screenshot”alt=“Google Search Console Leistungsbericht mit 648 % organischem Traffic-Wachstum”
Dekoratives Bildalt=“Hintergrundbild blau”alt="" (leeres Attribut)

Keyword-Integration ohne Stuffing

Ein einzelner relevanter Suchbegriff im Alt-Text ist sinnvoll, Keyword-Stuffing wertet Google explizit ab. Die thematische Relevanz eines Bildes entsteht aus der Kombination von Alt-Beschreibung, Dateiname, umgebendem Text und gesamter Content-Architektur, nicht aus der Wiederholung eines Keywords.

Schlecht: alt="SEO Agentur SEO Beratung SEO Optimierung SEO Strategie SEO Experte"

Gut: alt="André Schäfer erklärt SEO-Strategie anhand einer Topical Map"

Floskeln vermeiden

Phrasen wie “Bild von”, “Foto von”, “Grafik zeigt” sind redundant, weil Screenreader den Bildtyp automatisch ansagen. Direkt mit dem eigentlichen Inhalt starten spart Zeichen und wirkt präziser.

Welche Sonderfälle gibt es bei Alt-Texten?

Sechs Bildtypen folgen eigenen Regeln: Logos, funktionale Icons, dekorative Elemente, Bilder mit sichtbarem Text, SVG-Dateien und Produktbilder in E-Commerce-Shops. Die Standardregeln der Bildbeschreibung greifen hier nur eingeschränkt.

Die wichtigsten Sonderfälle im Detail:

Logos und Markenbilder

Firmenlogos erhalten den Markennamen plus kurze Funktionsbeschreibung: alt="sagemedia Logo, branchenexklusive SEO-Agentur". Fungiert das Logo als Link zur Startseite, wird die Navigationsfunktion ergänzt: alt="sagemedia, zur Startseite".

Funktionale Icons

Icons mit Interaktionsfunktion beschreiben ihre Aufgabe, nicht ihr Aussehen. Ein Lupen-Icon bekommt alt="Suche", ein Warenkorb-Icon alt="Warenkorb", ein Menü-Burger-Symbol alt="Menü öffnen". Die visuelle Darstellung ist für Screenreader-Nutzer irrelevant.

Dekorative Icons und Zierbilder

Rein ornamentale Elemente ohne inhaltliche Funktion erhalten ein leeres Alt-Attribut (alt=""). Diese WCAG-konforme Kennzeichnung weist Screenreader und Suchmaschinen an, das Bild zu überspringen. Das komplette Weglassen des Attributs ist nicht gleichwertig: Ohne alt-Attribut lesen viele Screenreader stattdessen den Dateinamen vor.

Bilder mit sichtbarem Text

Banner, Zitatgrafiken und Infografiken mit Textbeschriftungen müssen den gezeigten Text vollständig im Alt-Attribut wiedergeben. Computer-Vision-Systeme und Screenreader können Text innerhalb von Bildern nicht zuverlässig extrahieren, die Aussage muss als Alt-Beschreibung vorliegen.

SVG-Dateien

Als img-Tag eingebundene SVGs erhalten ein alt-Attribut wie normale Rasterbilder. Inline-SVGs im HTML benötigen ein title-Element innerhalb des SVG-Codes sowie role="img" und aria-labelledby für korrekte Screenreader-Unterstützung.

Produktbilder im Online-Shop

Die bewährte Formel lautet: Produktname plus Variante (Farbe, Material) plus optionaler Kontext. Bei mehreren Perspektiven desselben Produkts erhält jedes Bild einen individuellen Alt-Text, etwa alt="Gravelbike Seitenansicht mit Rahmengeometrie" neben alt="Shimano GRX Schaltwerk Nahaufnahme".

Welche rechtlichen Pflichten bestehen in Deutschland?

Seit dem 28. Juni 2025 verpflichtet das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) privatwirtschaftliche Unternehmen in Deutschland zur digitalen Barrierefreiheit. Fehlende Alt-Texte sind ein direkter Verstoß gegen die WCAG-Richtlinien und damit gegen die BFSG-Pflicht. Bußgelder von bis zu 100.000 Euro sind möglich.

Die rechtliche Grundlage gliedert sich in drei Ebenen:

  • WCAG 2.1 und 2.2 (Kriterium 1.1.1 Non-text Content): Der internationale Standard fordert für jedes nicht-textliche Element eine Textalternative. WCAG 2.2 erweitert die Anforderungen seit Oktober 2023 um zusätzliche Kriterien für Fokusindikatoren und Zielgrößen, die Alt-Text-Regel bleibt unverändert.
  • BITV 2.0: Die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung setzt WCAG für öffentliche Stellen in Deutschland rechtsverbindlich um. Behörden, Kommunen und öffentlich-rechtliche Einrichtungen unterliegen ihr seit 2019.
  • BFSG (Barrierefreiheitsstärkungsgesetz): Seit Juni 2025 erweitert das Gesetz die Barrierefreiheitspflicht auf privatwirtschaftliche Anbieter digitaler Produkte und Dienstleistungen, darunter Online-Shops, Banking-Anwendungen und Buchungsplattformen.

Verstöße können durch Verbraucherschutzverbände abgemahnt oder durch die zuständigen Marktüberwachungsbehörden mit Bußgeldern bis 100.000 Euro geahndet werden. Für kleine Unternehmen unter zehn Mitarbeitern und unter 2 Millionen Euro Jahresumsatz bestehen Ausnahmen, die je nach Bundesland unterschiedlich ausgelegt werden.

Wie prüft man Alt-Texte auf Korrektheit?

Vier Methoden stehen für die Alt-Text-Prüfung bereit: manuelle Browser-Inspektion, Google Lighthouse, die WAVE-Browsererweiterung und SEO-Tools für vollständige Audits. Für Websites mit dutzenden Bildern ist der manuelle Check ausreichend, ab hunderten Bildern führt kein Weg an einem automatisierten Audit vorbei.

Die vier praxistauglichen Prüfverfahren:

  • Manueller Browser-Check: Rechtsklick auf das Bild, “Element untersuchen” wählen, im Quellcode prüfen, ob das img-Tag ein alt-Attribut mit sinnvollem Inhalt enthält. Geeignet für Einzelbilder.
  • Google Lighthouse: In Chrome über die DevTools (F12 drücken) aufrufbar. Der Accessibility-Report listet alle Bilder ohne Alt-Attribut auf und zeigt einen Gesamtscore. Kostenlos und direkt im Browser verfügbar.
  • WAVE-Browsererweiterung: Kostenfreies Plugin für Chrome und Firefox des WebAIM-Instituts. Markiert alle Bilder ohne oder mit fehlerhaftem Alt-Attribut direkt auf der Seite und listet Fehler in einer Seitenleiste.
  • SEO-Tools für Audits mit vielen Bildern: Screaming Frog exportiert alle Bilder mit Dateinamen und Alt-Texten als CSV-Datei. Semrush und ahrefs Site Audit listen fehlende Alt-Attribute im Report. Für Websites mit tausenden Bildern die einzige praktikable Lösung.

Können KI-Tools Alt-Texte automatisch erstellen?

Ja. KI-basierte Alt-Text-Generatoren wie Azure Cognitive Services oder spezialisierte WordPress-Plugins analysieren Bildinhalte und schlagen Beschreibungen vor. Die Rohversionen taugen als Ausgangspunkt, benötigen aber eine manuelle Kontextprüfung. Eine KI kann beschreiben, was zu sehen ist, aber nicht, warum das Bild an dieser Seitenstelle steht.

Was passiert, wenn ein Alt-Text komplett fehlt?

Drei Konsequenzen treten direkt ein: Screenreader lesen den Dateinamen vor (z. B. “IMG_20240315_142857.jpg”), Google kann das Bild thematisch nicht zuverlässig einordnen, Audit-Tools wie Lighthouse flaggen es als Accessibility-Fehler. Unterschied zum leeren Attribut: alt="" signalisiert bewusst “dekorativ”, das Fehlen dagegen “vergessen”.

Gilt das 125-Zeichen-Limit für Alt-Texte wirklich?

Nein, das harte Limit ist ein weit verbreiteter Mythos. Die WCAG-Richtlinien schreiben keine Zeichenobergrenze vor. Screenreader wie JAWS kürzen längere Texte nicht, sondern teilen sie in Abschnitte auf. Für Lesefluss und Screenreader-Effizienz bleiben 80 bis 125 Zeichen die Praxis-Empfehlung.

Wie unterscheiden sich Alt-Texte für Google und für Screenreader?

Kaum, wenn sie gut geschrieben sind. SEO-optimierte Alt-Texte enthalten ein relevantes Keyword, barrierefreie Alt-Texte priorisieren präzise Beschreibung. Der praktische Kompromiss: Beschreibe präzise, was zu sehen ist, und binde das Keyword natürlich ein. Floskeln wie “Bild von” streichen.

Erkennt Google Bilder mittlerweile nicht ohnehin per KI?

Teilweise. Google Computer Vision analysiert Pixeldaten und erkennt Objekte und Szenen. Für Ranking, Kontext und Bildersuche bleibt der Alt-Text laut offizieller Google-Dokumentation trotzdem ein zentrales Signal. Kombinierte Betrachtung aus Alt-Text, Dateinamen, umgebendem Text und strukturierten Daten liefert die zuverlässigsten Ergebnisse.

André Schäfer

Geschrieben von

André Schäfer

Geschäftsführer & SEO-Stratege

André Schäfer (*1990, Kronach) ist Gründer der sagemedia GmbH in Bad Staffelstein. Ehemaliger E-Sportler (n!faculty, deutsches Nationalteam) und seit 2009 im SEO tätig. 2021 gewann er den deutschen SEO-Contest, 2022 Top-5 beim SommerSEO. Sein Fokus: datengetriebene SEO-Strategien mit Branchenexklusivität.

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